Im Unterschied zu Deutschland hat Japan seine Menschenrechtsverletzungen,
Kriegsverbrechen und politischen Ausschweifungen in die dunklen Höhlen des
Faschismus nie aufgearbeitet, immer verleugnet und langsam erfolgreich vergessen
lassen. Dabei stehen die japanischen Faschisten ihren deutschen Kollegen jener
Zeit um nichts nach.Alistair Urquhart war auf der Empfängerseite der japanischen Gräueltaten in
Südostasien. Nachdem er in Singapur gefangen genommen worden ist, hat er die
Eisenbahn mitten durch den Dschungel in Thailand gelegt.sog. Death RailwayEr war auf einem der “Hell Ships”, als sie von amerikanischen U-Booten
abschossen wurden, woraufhin er tagelang alleine im Indischen Ozean umhertrieb,
nur um dann von einem japanischen Boot “gerettet” zu werden und in Japan selbst
in einem Kohlebergwerk in der Nähe Nagasakis schuften zu können; bis zum Ende
des Krieges. Ja, das bedeutet, er hat den “warmen Windhauch” in der Peripherie
von Fat MansDie zweite, größere Atombombe, die auf am 9. August 1945 über Nagasaki
abgeworfen wurde. Detonation gespürt.Zwei Gedanken haben mich bei der Lektüre gepackt:
Wie viel sowohl der menschliche Körper, als auch die menschliche Psyche
imstande sind, auszuhalten, solange sie vor Beginn ihrer Passion
grundsätzlich gesund waren.
Das Erstaunen über die Inbrunst, die Kreativität und - am
herzzerreißendsten - die schiere Euphorie, mit der Menschen anderen Menschen
Leid antun können, wenn sie nur in die richtige Situation bugsiert werden.
Ich erinnere mich an dieses Gefühl auch in Konversationen mit Zeitzeugen des
Holocaust und bei Besuchen in ehemaligen Konzentrationslagern (zu meiner
Schulzeit fixe Bestandteile des Geschichtsunterrichts). Vermutlich die
unangenehmste Frage, die sich aus diesen Kapiteln der Geschichte ergibt, ist:
“Wie müssten die Umstände sein, damit ich imstande wäre, Freude am Leid
anderer zu haben?” Ich hoffe, dass ich es nie herausfinden muss.