So aktuell wollte ich mein Buch aus 1994 eigentlich gar nicht haben, aber was habe ich mir von einem Reisebericht über den Nahen Osten auch erwartet? William Dalrymple folgt im Jahr 1994 auf den Spuren des Johannes Moschos, der in seinem Leimón über die spirituellen Weisheiten der byzantinischen und Ägyptischen Mönche des sechsten Jahrjunderts schreibt. Er beginnt, wie der Titel andeutet, in Griechenland am Berg Athos, der in der griechischen Orthodoxie als heiliger Berg bekannt ist und international vor allem dadurch bekannt, dass es Frauen kategorisch untersagt ist, einen Fuß auf die Halbinsel Chalkidiki zu setzen, auf der sich der Berg befindet. (Dieses Verbot gilt übrigens auch für Haus- und die meisten Nutztiere, lediglich weibliche Katzen und Hühner werden geduldet.)Ostanatolien und NordsyrienDie Reise führt William dann durch eine Türkei, die längst damit begonnen hatte, sich ihrer Christen zu entledigen. Entrechtet und verfolgt sogar in ursprünglich multikulturellen Zentren wie Istanbul und (((Dingsbums da im Süden))) kurz vor der endgültigen Vernichtung im von Konflikten gebeutelten anatolischen Osten. Seit der ursprünglichen Veröffentlichung des Buches hat sich zum Beispiel das 397 gegründete syrische-orthodoxe Kloster Mor Gabriel nur mithilfe internationalen Drucks teilweise gegen Ausübungsverbote, Enteignungen und juristische Kriegsführung der umliegenden kurdischen Gemeinden wehren können.Es wundert dann fast gar nicht, dass zu dieser Zeit die Überquerung der türkische-syrischen Grenze wie ein Eintritt in eine libarale Gesellschaftordnung wirkt. Schließlich hat dort ein Alewit, also ein Angehöriger einer anderen Minderheit, die extremistischen Auswüchse der sunnitischen Mehrheit brutal unterdrückt. Die christlich-assyrische Minderheit im Norden des Landes spricht großteils Turoyo, ein moderner, aramäischer Dialekt. Sie sind somit die einzigen Christen der Welt, die eine realistische Hoffnung darauf haben dürfen, sich mit Jesus unterhalten zu können, wenn er wiederkehrt.1Der Libanon und das heilige LandDer Libanon ist mehr oder weniger eine französische Erfindung. Ein Nationalbewusstsein gab es lange Zeit nicht, entwickelte sich aber zusehends in den dreißig Jahren stabilen Friedens nach Ende des zweiten Weltkriegs. In dieser Zeit entwickelte sich die christlich-maronitische Minderheit zur Oberschicht. Die damit einhergehenden Spannungen mündeten 1975 in den libanesischen Bürgerkrieg und etliche unrechtfertigbare Kriegsverbrechen auf beiden Seiten.Besonders zwischen die Fronten geraten sind zu dieser Zeit die palästinensischen Christen, die zuerst aus Israel vor den dortigen Kämpfen und der Enteignung der israelischen Besatzermacht flüchteten. Gegenwärtig wird oft vergessen, dass unter den Palästinensern sind, die keinerlei Schutz in dieser Gegend genießen. Für Israelis sind sie Araber, für Moslems Ungläubige. Seit der Erscheinung des Buches haben die weiteren Eskalationen den ohnehin schon rasanten Rückgang dieser Gruppe beschleunigt. Die größte Konzentration palästinischer Christen gibt es heutzutage interessanterweise in Chile.Diese stiefmütterliche Behandlung setzt sich auch im israelischen Staatsgebiet fort. Christliche Kulturgüter werden da von unserem Verbündeten im Nahen Osten auch gerne zubetoniert um Platz für eine Autobahn zu schaffen. Obwohl die armenischen Christen seitÄgypten