Sigismund und AlbertEr ist heute von ganz alleine aufgewacht, sogar zehn Minuten zu früh. Der
schüchterne Sonnenschein des Herbstmorgens schleicht sich in sein Zimmer.
Sigismund (“Sigi”) hat gut geschlafen. Seine Frau schläft tief und fest neben
ihm. Die Stille im Zimmer seiner kleinen Tochter verrät, dass er als erstes
aufgewacht ist. In der Küche lässt er das abgestandene Wasser aus dem Hahn
laufen. Um seiner Frau eine Freude zu machen, will er heute besonders guten
Kaffee machen. Mit seiner Kapselmaschine ist er da zwar limitiert, aber er
wechselt endlich die Batterien in dem kleinen Stabmilchschäumer, der seit Wochen
vernachlässigt in der Bestecklade liegt und stellt ein bisschen Milch in einem
kleinen Topf auf den Herd. Eine kleine Prise Zimt verrührt er im Milchschaum und
erhofft sich eine große Wirkung. Die Maschine spült er ein paar Mal ohne Kapseln
durch, bis kein Sud mehr mitkommt. Dann gönnt er sich selbst eine Tasse, bevor
er sich auf den Weg in die Arbeit macht.Albert wird von seinem Handy geweckt. Es liegt direkt neben ihm und beginnt mit
blechener Apathie »Jungle Sounds 3« ins seine Richtung zu trällern. Er greift
danach und kämpft mit dem grellen Licht um den den Wecker auszustellen. Mit
»Trump auf Sandstrand« fährt ihm das helle LCD-Display forsch ins Gesicht. Er
zwickt die Augen zusammen. »Trump Coin auf Tiefststand«. Das ergibt mehr Sinn,
ist aber deswegen noch nichts, was man um die Uhrzeit wissen muss. Er zwingt
sich in die Höhe und schleift sich in die Küche. Er schmeißt eine Kaffeekapsel
in die Maschine und lässt sich einen Kaffee herunter. Das Wasser in der Maschine
ist von gestern, aber damit kann er leben. Großes Flächenbombardement in Gaza,
damit kann er auch leben. Der Kaffee schmeckt heute besonders schal, aber sich
einen neuen zu machen, das wäre Verschwendung.Es ist so ein schöner, lauer Herbstmorgen, dass Sigi beschließt mit dem Fahrrad
in die Arbeit zu fahren. Er macht sogar den kleinen Umweg über die Au, die mit
Hilfe des Kanals eine grüne Schneise durch die graue Stadt schneidet. Er pumpt
die frische, kühle Luft in seine Lungen und der kalte Fahrtwind treibt ihm die
Tränen in die Augen. Er fragt sich, was sich wohl die Leute denken, an denen er
vorbeifährt, wenn sie seine verweinten Augen sehen. Dann muss er grinsen.Albert steigt in die Straßenbahn und dreht einen Podcast auf. Sieben Schritte um
endlich aus dem hamsterrad auszubrechen. Erster Schritt: Sein mindset verändern.
Die restlichen sechs Schritte verschwimmen zu undifferenziertem Gebrabbel, weil
er sein Handy noch einmal aus der Tasche holt um auf dem Weg ein spiel zu
spielen, in dem man mit Donuts und Muffins auf zuckerkranke Zombies schießen
muss. “DiaBeater” heißt es. Zwei Insulinspritzen muss er noch einsammeln, dann
kann er sie gegen genügend Eiswaffeln eintauschen, um die sie Glasurkanone zu
kaufen. Beim Aussteigen hat er das Level fast geschafft. Ein Mann im Anzug stößt
mit ihm zusammen. Hat wohl keine Augen im Kopf. Trottel.Adalbert ist so früh dran, dass er fast der erste in der arbeit ist nur der
Gebäudeteil in dem der Schichtdienst hockdotierte Überstunden sammelt, ist
beleuchtet.er benutzt die kleine dusche im siebten stock hinten ganz hinten wo das reisen
reinigungspersonal ihren pausenraum hat am weg zu seinem platz kommt so also er
duscht sich kommt dann zurück auf seinem platz und macht schon die erste
bedeutende arbeit die burg kontraste zu adalbert nein das war adalbert albert
kommt in die arbeit steckt zuerst um in die u-bahn vieriges mädchen vergewaltigt
schrecklich in der u-bahn stinkt werbung für deutschkurse am handy etwas gegen
zuwanderer nimmt die rolltreppe kommt dann auch ins büro ist nicht mehr ganz der
erste und redet mit kollegen über bedeutungslosen scheißdreck den er am handy
gesehen hat in der früh albert nachdem er auf das erste mal wenn er aufschaut
ist schon ein großteil seiner kollegen da und er fragt seine Kollegen ob sie
kaffee wollen und er unterhält sich bei der kaffeemaschine mit ihnen über seine
FamilieDer Tag geht dann so dahin, Adalbert arbeitet produktiv, während Albert ständig
abgelenkt ist und über andere Sachen nachdenkt, die sein Leben nicht
beeinflussen. Und Adalbert war so früh in der Arbeit, dass er früher gehen kann,
geht nach Hause und genießt den Nachmittag mit seiner Familie. Albert war nicht
so früh in der Arbeit, wobei es da ein logisches Loch gibt, warum war Albert
nicht so früh in der Arbeit? Ah, weil er in der Früh, das muss dann noch rein,
weil er in der Früh Handy geschaut hat, die eine Stunde, eineinhalb Stunden
lang.Genau, das heißt, er kann auch erst später aus der Arbeit gehen, wenn er nach
Hause kommt, ist er unvorbereitet. Adalbert hat etwas aus der Arbeit, äh, hat am
Heimweg eingekauft, Albert nicht.Dementsprechend ist die Stimmung gleich viel schlechter, wenn Albert nach Hause
kommt, versus wenn Adalbert nach Hause kommt.Somit ist, äh, dann die, ja, die Conclusio, dass Albert schlafen geht mit einem,
äh, Adalbert schlafen geht mit einem guten Gefühl und davor aber noch sein Handy
findet, der Akku war aus und er hat’s verlegt gehabt im Badezimmerschrank. Er
findet’s beim, ähm, Zähneputzen. Ähm, steckt’s an, äh, ans Ladegerät und dreht’s
auf, checkt, ob sein Wecker eh eingeschalten ist und, ähm, das bedeutet, am
nächsten Tag wird Albert aufstehen, statt Adalbert.