Notes On Being a Man

Scott Galloway, 2025

Manchmal reden wir im Büro in der Kaffeeküche über die Bücher, die wir gerade lesen. Mein albanischer Kollege, der darauf besteht, dass sein Deutsch nicht gut genug ist, um eine Unterhaltung zu führen, liest gerade Thomas Bernhard, ein anderer Kollege liest für seinen Buchklub ein Buch, dessen Titel er mir nicht sagen kann, aber es ging im ersten Kapitel um Moskau während der Sowjetzeit und im zweiten um Pontius Pilatus. Wie das zusammenpassen wird, weiß er noch nicht. Ich kann seit fast einem Quartal nur darauf hinweisen, dass ich immer noch an Walter Isaacsons Leonardo Da Vinci Biografie laboriere.

In der Zwischenzeit habe ich aber auch “Notes On Being a Man” von Scott Galloway auf Spotify gehört. Ich erkläre, dass ich den Sinn des Buches nicht ganz verstehe, weil darin ausschließlich selbstverständliche Binsenweisheiten, die wohl niemandem neu sein sollten, verpackt in persönlichen Anekdoten eines fremden Mannes zu finden sind. Dass es sich um einen Bestseller handelt, erkläre ich mir damit, dass der Autor jüngst Erfolge mit eigenen Podcasts hatte und außerdem ein äußerst erfolgreicher Marketer ist. Wer also, wenn nicht er, sollte es schaffen, sein Produkt an den Mann zu bringen?

Hätte ich damals schon die Zeit gehabt, diese Rezension zu schreiben, dann hätte ich es vermutlich dabei belassen, aber erst jetzt, mit einigem Abstand, verstehe ich, dass das Buch in die Kerbe “Manosphere” schlägt. Die Manosphere beschreibt eben die Gruppe junger Männer, für die oben genannten Binsenweisheiten eben nicht selbstverständlich sind. Das macht sie anfällig für die degeneriertesten misogynen Auswüchse des weltweiten Netzes. Die konservative Haltung, dass der Mann das Familienoberhaupt ist, ist nur dann tragbar, wenn sich der Mann gleichzeitig seiner Verpflichtung bewusst ist, die eigenen Bedürfnisse immer hinter die seiner Familie zu stellen. Es funktioniert nur dann, wenn der Mann immer mehr gibt, als nimmt.

Für junge Männer, die das nicht schon wissen, sondern die zwischenmenschlichen Beziehungen alleine als Machtkämpfe begreifen, in denen sich immer jemand auf Kosten anderer durchsetzen muss, wo ein Sigma-Alpha-Chad dominieren und eine Frau dominiert werden muss, ist das ein gutes, wichtiges Buch. Ich bin froh, dass es ein modernes Buch für diese Zielgruppe gibt, das den Fokus auf das Geben, Großzügigkeit, Bescheidenheit und Selbstreflexion legt. Gott sei Dank bin ich nicht die Zielgruppe des Buches.